Kategorie: Shortstories

  • Die Vase

    Die Vase

    Beim Aufräumen im Schuppen fiel mir die fast vergessene Vase in die Hände. Sie schimmert im Sonnenlicht und hat einen Glanz, den ich nicht beschreiben kann. Im März gibt es ein seltsames Treiben in dieser Vase. Aus dem Nichts erscheinen Schmetterlinge, so zart und farbenfroh, dass sie wie fliegende Juwelen aussehen. Niemand weiß, wie sie entstanden, aber ihre Flügel haben Muster, die Geschichten aus einer anderen Zeit erzählen.Die Schmetterlinge flattern in der Vase, als würden sie auf etwas warten. Und dann, genau am zehnten des Monats März, öffnet sich die Vase. Ein Strudel aus Licht und Farben entsteht, und die Schmetterlinge beginnen, einer nach dem anderen, hinauszuschwärmen.
    Es wurde gesagt, dass, wenn einer dieser Schmetterling auf deiner Schulter landete, dein tiefster Wunsch in Erfüllung gehen würde.

    Vielleicht erzählt ihr die Geschichte weiter zu den Kindern. Meinem Sohn habe ich sie am Telefon erzählt. Er hat aber aufgelegt.
    „Bin im Meeting, rufe dich zurück“, hat er geschrieben.
    Na, mal sehen.

  • Die Frau, der Tag, der Abend – Teil 2

    Die Frau, der Tag, der Abend – Teil 2

    In der Dunkelheit meiner Wohnung, die nur vom flackernden Licht einer einzelnen Kerze erhellt wurde, saßen wir, die Frau und ich, auf dem abgenutzten Sofa. Die Flasche Whisky stand auf dem Tisch, als stummer Zeuge der Geschichten, die wir teilten. Sie erzählte mir von ihrem jungen Leben, von den Träumen, die sie hatte, und von den Enttäuschungen, die sie ertragen musste. Ihre Worte flossen wie der Whisky, mal samtig, mal bitter, aber immer ehrlich. Ich hörte zu, fasziniert von der Tiefe ihrer Erfahrungen, und fühlte mich geehrt, dass sie sich mir anvertraute.

    Die Geschichte, die sie erzählte, war eine Sammlung von Momenten ihres noch jungen Lebens, ein Mosaik aus Freude und Schmerz. Sie sprach von ihrer Jugend, als sie die Welt erobern wollte, von den Tagen, an denen sie gegen Windmühlen kämpfte und von den Nächten, in denen sie sich fragte, ob der Kampf es wert war. Es war eine Geschichte von verlorenen Lieben und gefundenen Freundschaften, von gebrochenen Versprechen und neu entdeckten Hoffnungen. Jedes Wort, das sie aussprach, war wie ein Fenster in ihre Seele, und mit jedem Satz fühlte ich, wie sich unsere Verbindung vertiefte. Es war eine Geschichte, die so alt wie die Zeit und doch so einzigartig wie sie selbst war.

    Zwischen den Erzählungen, dem Lachen und den Tränen, fanden unsere Hände, unsere Körper zueinander. Ein paar zärtliche Berührungen, ein stilles Verständnis, dass keine Worte nötig waren. Es war ein Moment der Nähe, der so flüchtig war wie der Rauch unserer Zigaretten. Als die Flasch leer war und die Kerze kurz davor stand, zu erlöschen, stand sie auf. “Es ist Zeit für mich zu gehen”, sagte sie mit einem Lächeln, das alle Geschichten der Welt in sich trug. Ich begleitete sie zur Tür, dankbar für die geteilte Nacht, und wusste, dass dies eine jener Begegnungen war, die man nicht vergisst. Sie verschwand in der kühlen Nachtluft, und ich blieb zurück, umgeben von der Stille, die nur durch das Ticken der Uhr unterbrochen wurde. Ich dachte über die Möglichkeiten nach, die ein Freitagabend bringen kann, und über die unerwarteten Verbindungen, die das Leben manchmal für uns bereithält. Jetzt ist es Samstagvormittag, ich genieße die Sonne, den entspannten Tag und die Erinnerung.

  • Die Frau, der Tag, der Abend

    Die Frau, der Tag, der Abend

    Es war ein Freitagabend, nicht anders als jeder andere, außer dass die Luft von einer seltsamen Spannung erfüllt war. Es war Frauentag, ein Tag, der wie jeder andere begann und enden würde, aber für die Frau, die ich traf, war es mehr als das. Sie stand da, an der Ecke einer belebten Straße, mit einer Zigarette, die an ihren Lippen hing, als wäre sie das letzte Stück Freiheit, das sie hatte. Ihre Augen waren müde, aber sie trugen Geschichten von Triumph und Tragödie, von Liebe und Verlust.

    „Ich feiere den Frauentag“, sagte sie mit einem Lächeln, das mehr kostete als der Whiskey, den sie in ihrer Hand hielt. „Ich feiere die Tatsache, dass ich trotz allem noch hier bin.“ Ich fragte sie, was sie meinte, und sie erzählte mir von den Schlachten, die sie geschlagen hatte – gegen die Gesellschaft, gegen Erwartungen, gegen sich selbst. Sie sprach von den Wunden, die sie davongetragen hatte, und von den Narben, die sie stolz trug.

    „Jeder Tag ist ein Kampf“, sagte sie, „aber heute, heute kämpfe ich nicht. Heute trinke ich auf all die Frauen, die vor mir waren, und auf all die, die nach mir kommen werden.“ Wir stießen an, auf das Leben und auf die Hoffnung, dass eines Tages dieser Tag mehr als nur ein weiterer Freitagabend sein würde. Guten Abend ihr. Und wenn sie will, höre ich ihr bis morgen zu. Und wenn ihr wollt, schreibe ich darüber.