Autor: Sachenverlierer

  • Die Frau, der Tag, der Abend

    Die Frau, der Tag, der Abend

    Es war ein Freitagabend, nicht anders als jeder andere, außer dass die Luft von einer seltsamen Spannung erfüllt war. Es war Frauentag, ein Tag, der wie jeder andere begann und enden würde, aber für die Frau, die ich traf, war es mehr als das. Sie stand da, an der Ecke einer belebten Straße, mit einer Zigarette, die an ihren Lippen hing, als wäre sie das letzte Stück Freiheit, das sie hatte. Ihre Augen waren müde, aber sie trugen Geschichten von Triumph und Tragödie, von Liebe und Verlust.

    „Ich feiere den Frauentag“, sagte sie mit einem Lächeln, das mehr kostete als der Whiskey, den sie in ihrer Hand hielt. „Ich feiere die Tatsache, dass ich trotz allem noch hier bin.“ Ich fragte sie, was sie meinte, und sie erzählte mir von den Schlachten, die sie geschlagen hatte – gegen die Gesellschaft, gegen Erwartungen, gegen sich selbst. Sie sprach von den Wunden, die sie davongetragen hatte, und von den Narben, die sie stolz trug.

    „Jeder Tag ist ein Kampf“, sagte sie, „aber heute, heute kämpfe ich nicht. Heute trinke ich auf all die Frauen, die vor mir waren, und auf all die, die nach mir kommen werden.“ Wir stießen an, auf das Leben und auf die Hoffnung, dass eines Tages dieser Tag mehr als nur ein weiterer Freitagabend sein würde. Guten Abend ihr. Und wenn sie will, höre ich ihr bis morgen zu. Und wenn ihr wollt, schreibe ich darüber.

  • Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

    Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

    Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, kreise um die Wahrheit wie ein hungriger Wolf. Die Dinge, die ich berühre, sind echt, schmutzig, lebendig, nichts von diesem himmlischen Scheiß. Ich werde den letzten Ring vielleicht nicht vollbringen, zu viele Flaschen, zu viele Nächte ohne Schlaf. Aber verdammt, ich werde es versuchen, mit blutigen Knöcheln und dem letzten Atemzug. Ich kreise um Gott? Nein, um die Bar am Ende der Straße, um den uralten Turm aus Bierdosen und Rechnungen. Jahrtausende lang? Nein. Ich habe nur diese eine Nacht, und ich weiß noch nicht: bin ich ein Dichter, ein Maler, ein Reisender, ein Trinker oder nur ein weiterer verlorener Kerl im großen Spiel? Ich lebe mein Leben, es ist ein Kampf, kein Tanz, ein ständiges Boxen mit dem Schicksal. Ich bin kein Falke, kein Sturm, kein großer Gesang, ich bin der Typ, der am Ende der Nacht noch steht.

    Inspiriert von Rilkes Gedicht **Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen**.

  • Die Schülerin ’23

    Die Schülerin ’23

    Ein Bild ist bei mir fertig, wenn ich keine Lust mehr habe, daran zu arbeiten.

    Das Bild ist fertig.

    Früher war es der Ehrgeiz, besser als Rolf zu malen. Heute und neu ist der Ehrgeiz, besser als die KI zu malen. Jetzt ist Rolf beleidigt. Es ist alles nicht mehr so einfach.

    Ich putze jetzt mein Ceranfeld.

  • Die weißen Tauben

    Die weißen Tauben

    Die weißen Tauben sind müde.
    Sie wollten fliegen, doch jetzt dürfen sie nicht mehr.
    Der Himmel ist voller F-16.
    Verhandeln will man jetzt nicht mehr.
    Die weißen Tauben sind müde.
    Zu viel militärischer Flugverkehr.