Er war Kriegsberichterstatter, aber es gab keinen Krieg mehr. Der Krieg war einfach… verschwunden. Wie ein Geräusch, das man jahrelang im Hintergrund erträgt und eines Morgens bemerkt, dass es nicht mehr da ist. Niemand konnte genau sagen, wann es aufgehört hatte. Es gab keine letzte Explosion, keinen letzten Schuss. Nur Stille. Er blieb trotzdem. Er wohnte in einem kleinen Hotelzimmer am Rand einer Stadt, die früher einmal umkämpft gewesen war. Die Einschusslöcher waren noch da, aber sie wurden inzwischen von Pflanzen überwuchert, als hätte die Natur beschlossen, die Geschichte langsam zu verschlucken. Morgens ging er hinaus, setzte sich in ein Café, bestellte einen Kaffee Crema und wartete. Worauf, wusste er nicht genau. Manchmal öffnete er sein Notizbuch. Die Seiten waren voll mit präzisen Beschreibungen von Dingen, die es nicht mehr gab: Rauch, der nach Metall schmeckte. Schritte in zerborstenen Treppenhäusern. Stimmen, die nur noch flüsterten, weil Lautstärke gefährlich war. Jetzt hörte er wieder laute Stimmen. Menschen lachten. Es irritierte ihn. Eines Tages traf er eine Frau im Café. Sie setzte sich einfach zu ihm, ohne zu fragen, als wäre das selbstverständlich. „Sie schreiben immer noch über den Krieg“, sagte sie. Er blickte auf sein Notizbuch. „Ich versuche es.“ „Aber es gibt keinen Krieg mehr.“ Er nickte. „Das macht es schwierig.“ Sie lächelte auf eine Weise, die weder freundlich noch unfreundlich war. Eher so, als hätte sie etwas verstanden, das ihm entgangen war. „Vielleicht schreiben Sie nicht über den Krieg“, sagte sie. „Vielleicht schreiben Sie darüber, dass er fehlt.“ Das gefiel ihm nicht. Es klang zu endgültig. In den folgenden Tagen begann er, seltsame Dinge zu bemerken. Ein Mann an der Bushaltestelle trug einen Helm, obwohl es sonnig war. Ein Kind zeichnete Panzer, die aussahen wie Tiere mit zu vielen Beinen. Nachts hörte er manchmal ein fernes Grollen, das nicht von Gewittern stammen konnte. Er schrieb alles auf. Eines Abends folgte er dem grollenden Geräusch. Es führte ihn aus der Stadt hinaus, über ein Feld, das sich im Wind bewegte wie Wasser. In der Mitte des Feldes stand ein alter Radiosender, verlassen, mit rostigen Antennen, die in den Himmel ragten. Die Tür war offen. Drinnen roch es nach Staub und etwas Vertrautem, das er nicht sofort benennen konnte. Vielleicht Angst. Vielleicht Erinnerung. Ein schwaches Signal kam aus einem der Geräte. Ein Flüstern, kaum hörbar. Er drehte an den Reglern, bis die Stimme klarer wurde. „…Bericht aus dem Sektor… schwere Verluste… Position halten…“ Er erstarrte. Die Stimme war seine eigene. Er hörte sich selbst, wie er über einen Angriff berichtete, den er längst vergessen hatte. Jeder Satz war exakt, nüchtern, ohne Emotion. So hatte er immer gesprochen. Er drehte weiter. Andere Frequenzen. Andere Berichte. Explosionen. Schreie. Koordinaten. Der Krieg war nicht verschwunden. Er war nur verschoben worden. Gespeichert in diesem Gebäude, in diesen Geräten, in den Stimmen derer, die ihn beschrieben hatten. Ein Archiv aus Geräuschen, das darauf wartete, wieder gehört zu werden. Die Frau aus dem Café stand plötzlich hinter ihm. „Jetzt verstehen Sie es“, sagte sie leise. „Was ist das hier?“ fragte er. „Das, was übrig bleibt, wenn etwas endet, ohne wirklich zu enden.“ Er dachte darüber nach. Es fühlte sich korrekt an, auf eine unbequeme Weise. „Und was passiert, wenn man es weiter abspielt?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Vielleicht beginnt es wieder.“ Er sah auf die Regler. Seine Finger zögerten. Draußen war es still. Ein tiefer, vollständiger Frieden, der fast unwirklich wirkte. Drinnen wartete der Krieg, geduldig wie ein Tier im Schlaf.
Das Wesen mit dem Arsch zur Welt Ich sah es stehen, in der Ecke der Galerie, als hätte es jemand dort abgestellt und dann vergessen. Vielleicht aus Scham. Vielleicht aus Trotz. Vielleicht, weil niemand wusste, was es sein sollte – und keiner den Mut hatte zu fragen. Ein Wesen, halb Butter, halb verbranntes Brot. Untenrum gelb wie falsch gelebte Kindheit, oben ein praller weißer Rücken oder vielleicht ein entblößter Hintern, der sich trotzig in die Zukunft reckte. Ich konnte nicht wegsehen. Ich wollte lachen. Ich wollte weinen. Ich wollte Haribo. Nichts davon passierte. „Was ist das?“, fragte ich die Aufsicht. Sie sah mich an, als hätte ich gerade ihr Haustier beleidigt. „Ein Zustand“, sagte sie. Ein Zustand also. Ich dachte an meinen unaufgeräumten Kofferraum. An die Flasche Whisky, die ich gestern Nacht fallen ließ. An die alte Frau unter mir, die jeden Tag mit einem Löffel gegen die Heizung klopft. Zustand. Ja. Das passte. Es stand da mit der Wucht eines metaphysischen Irrtums. Irgendetwas war falsch gelaufen im Entwurf des Seins, und jetzt war es da – das Ding. Es hatte keine Augen, und doch sah es alles. Kein Mund, aber ich hörte es flüstern: „Ich bin die Rückseite deiner Gedanken. Ich bin der Moment, in dem du glaubst, du hast es verstanden – und dann überfährt dich der Schulbus.“ Ich ging näher. Die Farben schrien nicht. Sie murmelten. Gelb, Schwarz, Orange – als wären sie im Streit gewesen, aber keiner wollte das letzte Wort. Und mitten drin eine Falte, ein Riss, ein Zwischenraum. Vielleicht war dort Gott hineingekrochen, um ein Nickerchen zu machen oder aus Verzweiflung. Ich stand lange davor. Dann verließ ich die Galerie, ging in die Sonne und trat in Hundescheiße. Und plötzlich hatte ich das Gefühl, ich hatte alles verstanden. Nur leider zu spät.
Der Frauentag: Ein Zeichen der Absurdität und der Ehrfurcht Der Internationale Frauentag ist ein erbärmlicher Versuch, die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zu würdigen, ein Konstrukt, das uns an die Leistungen und Kämpfe der Frauen erinnert – jedoch nur an einem einzigen Tag im Jahr. Ist es nicht absurd, dass wir einen speziellen Tag benötigen, um die Stärke, die Schönheit und Inspiration der Frauen in unserem Leben zu erkennen? In der Realität verdienen viele Frauen das ganze Jahr über unsere Anerkennung und Ehrfurcht. Sie tragen die Lasten des Alltags, jonglieren mit Karriere und Familie und sind oft die stillen Heldinnen unserer Gesellschaft. Der Frauentag könnte daher sowohl eine Feier als auch eine Anklage sein: eine Feier für die oft übersehenen Leistungen der Frauen und eine Anklage gegen die gesellschaftliche Norm, die es notwendig macht, ihre Würdigung auf einen einzigen Tag zu beschränken. Wir sollten die Ehrfurcht, die wir am 8. März empfinden, in ein ganzjähriges Bewusstsein verwandeln. Wahre Anerkennung bedeutet, Frauen nicht nur an diesem Tag zu feiern, sondern ihnen im Alltag den Respekt und die Wertschätzung zu zeigen, die sie verdienen. Letztlich sind es die kleinen Gesten der Wertschätzung, die den Unterschied machen und die Absurdität unseres bisherigen Denkens überwinden können.
In der Dunkelheit der Nacht, wenn die Stadt schläft und die Straßen leer sind, zähle ich die Sterne für dich.
Jeder Stern ein Gedanke, ein Wunsch, ein Traum, der in der Stille des Universums schwebt.
Für dich, die in den Schatten wandelt, deren Augen das Licht suchen, zähle ich die Sterne.
Sie flüstern Geschichten von fernen Welten, von Liebe und Verlust, von Hoffnung und Verzweiflung.
Und während die Nacht vergeht, und der Morgen graut, bleiben die Sterne, leuchtend und beständig. Für dich, immer für dich, zähle ich die Sterne, bis der letzte Funke erlischt.